Eco Mining Concepts Mitglieder stellen innovative Projektideen bei Minera San Pedro vor

Minera San Pedro und Eco Mining Concepts luden die Netzwerkmitglieder ein, innovative Ideen für nachhaltige Pilotprojekte vorzustellen – ausgewählte Vorschläge wurden dann bei dem Besuch der Mine San Pedro evaluiert. Unter den eingereichten Ideen waren die Vorschläge von Fraunhofer Chile Research und Mankuk erfolgreich.

Während sich Fraunhofer Chile Research auf Solarenergie für den Bergbau fokussiert, schlug Mankuk ein Projekt im Bereich der Weiterverwertung von Altreifen vor. Im folgenden Interview berichtet Alexander von Frey, Geschäftsführer von Mankuk, mehr über dieses Projekt und die Zusammenarbeit mit dem Reifenaufwertungsunternehmen Kona Fuel.

In Chile fallen jährlich rund 130.000 Tonnen Reifen als Abfall an. Ein Drittel davon stammt aus dem Bergbau und der Bauindustrie. Mit diesem Prozentsatz trägt der chilenische Bergbau eine große Verantwortung für die Umwelt, da die meisten dieser Reifen letztendlich als Abfall und nicht als Ressourcen behandelt werden und somit meistenteils auf Deponien endgelagert werden. Das Recycling von Bergbaureifen ist also ein großer Schritt zu mehr Nachhaltigkeit: Wie und unter welchen Bedingungen können entsorgte Reifen wieder verwendet werden?

Alle verfügbaren Bergbaureifen können wiederverwendet werden. Kona Fuel führte ein Pilotprojekt durch, bei dem vier Reifen erfolgreich geschnitten und in einem seiner Reaktoren im Werk Talcahuano verarbeitet wurden. Einer der großen Vorteile des Pyrolyseverfahrens besteht darin, dass jeder Reifentyp verwertet werden kann. Bei den größeren Bergbaureifen ist ein Vorprozess erforderlich, um ihre Größe zu verringern und sie in den Reaktoren verarbeiten zu können. Im Falle des OTR-Reifens 63 (der größte vorhandene) muss dieser nur in 8 Segmente zerschnitten werden, um recycelbar zu sein.

Die Bergbauindustrie hat ein großes Potenzial, ihre Reifen in Kraftstoff oder Energie für ihre eigenen Prozesse umzuwandeln. Erfahrung und Technologie dafür sind vorhanden. Reifen als Abfall im Bergbau zu sehen, gehört der Vergangenheit an: sie sind nicht nur notwendige Elemente für den Produktionsprozess, sondern auch eine Quelle für Kraftstoff und/oder Energie.

Welche Rolle spielen Technologien und Digitalisierung beim Reifenrecycling?

Nachhaltiges und massenhaftes Recycling von Reifen ist eine große Herausforderung, bei der neue Technologien einen großen Mehrwert bringen können. Derzeit ist die Pyrolyse eine davon, aber zweifellos ist es notwendig, sich technologisch weiter zu entwickeln, um die Effizienz und Qualität des aus dem Prozess resultierenden Kraftstoffs (Raffination) zu erhöhen und einen grösseren Handelswert zu erhalten. Trotz technologischer Verbesserungen sind regulatorische Anreize in dieser Hinsicht sehr wichtig, da die Trägheit großer Bergbauunternehmen vielfach die Umsetzung neuer Projekte in diese Richtung erschwert, insbesondere wenn es sich um ein neues, sich gerade entwickelndes Thema handelt. Ausserdem ist es für erfolgreiche Projekte in diesem Bereich notwendig, ein Gleichgewicht zwischen technologischen Aspekten (und den daraus resultierenden Kosten) und normativen Aspekten (also der Notwendigkeit / Verpflichtung, diese Art von Projekten durchzuführen) zu schaffen und damit die Grundlagen für Entstehung und den Ausbau der Reifenrecyclingindustrie zu schaffen.

 Wie kann nicht nur die Umwelt, sondern auch der chilenische Bergbau vom Reifenrecycling (wirtschaftlich) profitieren?

Durch die Möglichkeit Reifen im Bergbaubetrieb zu verwerten, entfallen die Notwendigkeit, Sammelflächen und –zentren  zu betreiben, sowie der Umwelthaftung und Garantie durch Bergbauunternehmen für diese Reifen, die normalerweise als Abfall eingestuft werden. Statt als Abfall zu enden,  werden die Reifen in den Kreislauf zurückgeführt und in Energie und Kraftstoff für den Bergbaubetrieb umgewandelt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Verwertung neue Rohstoffe und Produkte generiert, die aus preislicher Sicht wettbewerbsfähig sind. So kann beispielsweise der aus der Pyrolyse von Reifen resultierende flüssige Kraftstoff den Dieselkraftstoff in Erzeugungsanlagen ersetzen. Es entsteht also ein alternativer Kraftstoff von guter Qualität zu geringenen Kosten.

Nicht nur der Großbergbau kann von dieser Technologie profitieren, sondern auch mittlere oder kleine Bergbaubetriebe, indem diese Anlagen zur Gewinnung von Kraftstoff und/oder Energie für ihre Prozesse implementieren, um Reifen aus anderen Sektoren, vor allem der Automobil- und der Reifenindustrie selbst zu erhalten. Auf diese Weise werden sie zur Umsetzung der Eco-Mining-Praktiken beitragen, indem sie nicht-konventionelle Energie in ihrem Prozess nutzen.

Mankuk ist Partner des Reifenaufwertungsunternehmens Kona Fuel. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen? Welche Rolle spielt die Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren im chilenischen Bergbau und wie kann diese verbessert werden?

Während der gesamten Beratungs- und Konsultationstätigkeit, die Mankuk anbietet, hatten wir die Möglichkeit, mit verschiedenen Branchen, Kunden, Realitäten und vor allem mit Menschen zu interagieren, die unsere Arbeit schätzen, nicht nur bei der Entwicklung der Beratung selbst, sondern auch bei der Art und Weise, wie wir unsere Dienstleistungen angehen und ausführen. Dadurch entstehen Vertrauensbindungen, die sich in Einzelfällen in Einladungen als strategische Partner von Projekten niederschlagen.

Kollaborative Arbeit ist fundamental für die Entwicklung neuer Technologien – egal in welcher Industrie. Es muss ein Interesse und einen Anreiz für die Verwendung neuer Technologien geben, sowie ein Interesse daran, neue Entwicklungen und Technologien zu evaluieren und auch die dadurch erzeugten neuen Wertstoffe in die Prozesse einzuspeisen.

Ein wichtiger Punkt ist ein gesetzlicher Rahmen, der alle Aspekte dieser Entwicklungen in Betracht zieht. So gibt es beispielsweise im konkreten Fall der Weiterverwertung von Reifen das Gesetz zur Erweiterten Produzentenverantwortung (EPV), das einen Anreiz für das Recycling schafft, aber es gibt keinen Anreiz, der die Verwendung alternativer Wertstoffe  auf gesetzlicher Ebene fördert oder erlaubt, wie beispielsweise im Falle des flüssigen Kraftstoffs. Dies schafft Hindernisse bei der Kommerzialisierung, da es sich nicht um einen „direkt aus Erdöl gewonnenen Kraftstoff“ handelt, was Misstrauen bei der Verwendung erzeugt – so werden neue Projekte in diesem Bereich verhindert.

Das EPV-Gesetz wurde 2016 in Chile verabschiedet. Mit diesem Gesetz wurde die Verantwortung der chilenischen Bergbauindustrie erhöht, als Produzenten eine nachhaltige Entsorgung ihrer Altreifen zu gewährleisten. Chile hat sich in dieser Hinsicht ehrgeizige Ziele gesetzt. Für LKW-Reifen aus dem Bergbau sollen Recyclingquoten von 75 % aller im Jahr 2024 angefallenen Altreifen und 100 % im Jahr 2026 erreicht werden. Können wir heute bereits eine Veränderung im Reifenbergbau nach der Einführung dieses Gesetzes feststellen oder stellt das Recycling noch einen „Tropfen auf den heißen Stein“ dar?

Das Gesetz erzeugt Interesse daran Alternativen zu identifizieren, die es für die Valorisierung der Altreifen und ihre Validierung gibt. Auf der anderen Seite hat sich gezeigt, dass Unternehmen dann Aktionen realisieren, wenn dies erforderlich ist. Daher müssen wir abwarten, wie die Entwicklung  verläuft und wie die Bergbauindustrie darauf reagiert. Auf jeden Fall ist das EPV-Gesetz ein Ausgangspunkt, der Bewusstsein schafft und nach Alternativen suchen lässt. Dafür müssen wir aber Fortschritte bei der Vermarktung von Nebenprodukten bei der Weiterverwertung von Altreifen erreichen.