Kreislaufwirtschaft im Bergbau

Verändert die Gesellschaft, das Verbraucherverhalten, die Paradigmen und die Geschäftsmodelle.

Die Anzahl der Menschen auf dem Planeten und ihre Bedürfnisse nehmen immer weiter zu: Lebten im Jahr 1990 noch 5,3 Milliarden Menschen auf unserem Planeten, so wird für das Jahr 2030 eine Zahl von über 8,5 Milliarden vorausgesagt. Im Jahr 2030 werden es voraussichtlich sogar über 11,2 Milliarden Bewohner weltweit sein (laut einem UN-Bericht aus dem Jahr 2019), ein Zuwachs, der viele Herausforderungen für uns alle und insbesondere für unseren Planeten mit sich bringt. In gewisser Weise folgen wir nach wie vor einem Wachstumsparadigma, in welchem der Großteil der weltweiten Wirtschaftssysteme nach ewigem Wachstum strebt und dem Dilemma begrenzter natürlicher Ressourcen gegenübersteht.

Die Herausforderung der Menschheit besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen dem Bedarf an unendlichem Wachstum in einer Welt aus endlichen Ressourcen herzustellen. Dies ist das Paradox der Nachhaltigkeit.

Für das Jahr 2050 wird eine weltweite Bevölkerungszahl von 9,5 Milliarden vorausgesagt – fast das Doppelte der heutigen Zahl – und dieses Wachstum der Weltbevölkerung wird mindestens dreimal so viele Produkte und Dienstleistungen wie heute erfordern: Wohnraum, Transport, Energie, Lebensmittel, Wasser und andere Grundbedürfnisse und Erzeugnisse, die für uns heutzutage zu einer „guten Lebensweise“ dazugehören. Der Bedarf an diesen Gütern wirkt sich auf die Nachfrage nach Rohstoffen auf dem Markt aus. Rohstoffe, die begrenzt sind und nicht, wie man vor zwanzig Jahren noch dachte, unendlich zur Verfügung stehen. Hinzu kommt der erhebliche Preisanstieg. Wir befinden uns nicht mehr im 20. Jahrhundert und zu Zeiten der industriellen Revolution, als die Wiederverwendung von Materialien keine Priorität darstellte und die größten Gewinne aus dem Einsatz von mehr Ressourcen (hautsächlich Energie) zur Senkung der Arbeitskosten erzielt wurden.

„Für das Jahr 2050 wird eine weltweite Bevölkerungszahl von 9,5 Milliarden vorausgesagt – fast das Doppelte der heutigen Zahl – und dieses Wachstum der Weltbevölkerung wird mindestens dreimal so viele Produkte und Dienstleistungen wie heute erfordern.“

Dem Weltwirtschaftsforum zufolge sind die Rohstoffpreise erheblich gestiegen. In dem Zeitraum von 2002 bis 2010 wird ein Preisanstieg von 150% vernommen. Der gleiche Bericht zeigt auf, dass beispielsweise für das Unternehmen B&Q/Kingfisher – Hersteller von Bohrmaschinen – die Rohstoffkosten im Durchschnitt um 59% gestiegen sind.  Dasselbe gilt für globale Unternehmen wie Renault und Ricoh, die sich dazu gezwungen sahen, ihre Kosten durch geschlossene Produktionskreisläufe besser zu kontrollieren. Heutzutage befassen sie sich auch mit der Verwendung ihrer Produkte am Ende ihrer Lebensdauer sowie der Rückgewinnung eines Großteils der darin verarbeiteten Rohstoffe. Recycling- und Rückgewinnungsprozesse gehen direkt in die Entwicklung neuer Produkte über.

Unternehmen, die einst wichtige Abnehmer von Rohstoffen aus dem Bergbau waren, haben ihren Fokus mittlerweile geändert: Sie haben erkannt, dass sie durch eine Produktentwicklung, die den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt – angefangen bei der Gewinnung über die Produktion und Vermarktung bis hin zum Gebrauch und Ende der Lebensdauer der Produkte – den Kauf von Rohstoffen reduzieren und so ihre Rentabilität steigern können. Diese Umstellung auf ein Geschäftsmodell im Sinne der Kreislaufwirtschaft wirkt sich wiederum erheblich auf das Bergbaugeschäft und den Handel mit reinen Rohstoffen aus.

An das Vorherige anknüpfend sei eine weitere Dimension genannt: Professor James Clark der Universität York in England hat das Periodensystem sorgfältig überprüft, um Verwendung und Vorkommen der Elemente auf unserem Planeten zu verstehen. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Druck zur Verwendung von Neumaterial aufgrund der Durchlässigkeit beim Recycling in der Industrie im Allgemeinen anhalten wird. Die Rohstoffe gehen allerdings aus und Clarks Prognosen zufolge, könnten Elemente wie Gold, Silber, Indium, Kupfer, Iridium Wolfram und viele andere für die Industrie überlebenswichtige Elemente innerhalb der nächsten fünf bis fünfzig Jahre ausgeschöpft sein.

Insbesondere die Auswirkungen auf Chile sind gewaltig. Es wird vorausgesagt, dass dem Kupfer nur noch 75 bis 100 Jahre bleiben, wenn wir unsere Handlungsweisen nicht ändern und den Fokus weiterhin auf die Produktion legen, anstatt sich mit Themen wie der Vermeidung von Abfall, Wiedergewinnung von Rohstoffen und Fragen zu Gebrauch, Verteilung und Wiederverwendung der Produkte zu beschäftigen.

Elemente wie Gold, Silber, Indium, Kupfer, Iridium Wolfram und viele andere für die Industrie überlebenswichtige Elemente könnten innerhalb der nächsten fünf bis fünfzig Jahre ausgeschöpft sein“ (Professor James Clark U der Univ. York).

Als Ergebnis all dessen sind die Rohstoffpreise erheblich gestiegen, die Gewinnspannen haben sich verringert, die Gewinnungs- und Produktionskosten sind fast so hoch wie der Verkaufspreis einiger Metalle. Hinzu kommt die Arbeit in sozialen Konfliktpunkten, wodurch die Kontinuität von Projekten gefährdet ist, und als ob dies nicht schon genug wäre, hinterlässt auch der Klimawandel seine Spuren: Der Wassermangel ist erheblich. Der Bergbau verbraucht bekannter Weise viel Wasser, ohne welches Metall in der traditionellen Art und Weise nicht gewonnen werden kann.

Trotz Gegenwind beginnt die Bergbauindustrie zu reagieren. Dabei war es nicht einfach, aus dem Modell der reinen Extraktion herauszukommen, denn es erfordert ein erhebliches Maß an Mut zu Innovation, neuen Methoden und Vorgehensweisen. Viele haben sich dem Recycling von auf den Markt gebrachten Materialien zugewandt. „Das Internationale Büro für Recycling prognostizierte das Wachstum des Metallrecyclingmarktes – hauptsächlich in der Stahlrückgewinnung – auf 277 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 und 406 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020. Die Zahlen wurden trotz der schwierigen Zeiten, die wir derzeit durchleben, übertroffen. Mit einem Wachstum von fast 8% pro Jahr ergibt sich für Aluminium und Kupfer ein ähnliches Bild und bei Edelmetallen sind diese Raten noch höher“ (laut Rachael Bartels und Harrry Morrison von Accenture).

Die Bergbauindustrie muss verstehen, dass die zirkulären Geschäftsmodelle, die von allen anderen Industriezweigen weltweit rasch übernommen werden, zu einem erheblichen Rückgang des Rohstoffbedarfs führen werden. Im Automobilsektor beispielsweise bedeutet eine zirkuläre Strategie wie die Bildung von Fahrgemeinschaften, dass es bis 2035 25% weniger Personenkraftwagen geben könnte, was das Wachstum und die historische Projektion der Automobilindustrie und damit den Rohstoffbedarf erschüttern würde. Industriezweige wie die Marineindustrie in Peru, die bereits heute 95% ihrer Teile für die Herstellung neuer Produkte wiederverwenden, haben eine Art Produktpass für die einzelnen Produktteile eingeführt, um deren Rückverfolgung und Rückgewinnung zu ermöglichen.

Obwohl das Thema Kreislaufwirtschaft bei dem Bergbau zu Kopfschmerzen führen kann, ist es gleichzeitig eine Gelegenheit, Geschäfts- und Verkaufsmodelle zu überdenken. Die Rückverfolgbarkeit der Materialien ist eine interessante Option, die es zu überdenken wert ist. Weiterhin im Besitz des Materials zu sein, es zurückzugewinnen und wieder einzugliedern, die Modelle und Verkaufsstrategien zu ändern, Prozesse zu überprüfen, Materiallecks zu identifizieren, Abfälle wieder umzuwandeln oder in die Produktionskette der eigenen oder einer anderen Branche einzugliedern, den Verbrauch von Ressourcen, Energie, Wasser sowie den Kohlenstoffausstoß und den ökologischen Fußabdruck im Allgemeinen permanent zu messen – das alles ist Teil eines Modells der Kreislaufwirtschaft und einer neuen Art des Wirtschaftens, bei der die Senkung der Kosten heutzutage die beste Alternative ist, um in komplexen Zeiten höhere Gewinne zu erzielen.

Bei der Pipartner Group unterstützen wir Unternehmen dabei, ihr Geschäft auf eine neue Weise zu betrachten und Möglichkeiten zur Wiederverwendung von Materialien im Lebenszyklus ihrer Produkte zu identifizieren, die heutzutage „weggeworfen“ werden und wieder zu Rohstoffen werden können. Wir helfen Unternehmen dabei, den Grad ihrer Zirkularität zu verstehen. Wir haben eine eigene Methodik entwickelt, die auf der Branchenentwicklungsanalyse von Gartner basiert, um die zirkulären Lücken zu identifizieren und eine strategische Roadmap zu definieren, die es den Unternehmen ermöglicht, sich angemessen auf ein zirkuläres Modell umzustellen. Außerdem haben wir ein Werkzeug unter dem Namen CANVAS CIRCULAR PIPARNTER (www.desafiocircular.cl) entwickelt, um zirkuläre Geschäftsmodelle zu erarbeiten. Basierend auf Osterwalders Geschäftsmodell haben wir 4 Dashboards entwickelt, die es Unternehmen ermöglichen, zirkuläre Geschäftsmöglichkeiten zu entdecken, die das Geschäft noch profitabler machen können.

Humberto Salinas
Pipartner Group
hsalinas@pipartnergroup.com
*übersetzt aus dem Spanischen vom Team Eco Mining Concepts

*Von Unternehmen eingereichte Beiträge liegen in deren alleiniger Verantwortung und spiegeln nicht unbedingt die Position der AHK Chile wider.