„Mehr Kreislauf bedeutet nicht notwendigerweise auch eine bessere Umweltbilanz“

Interview mit Johannes Gediga, Vice President Mining, Metals and Manufacturing Goods & SoFi Sales, thinkstep

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft hat viel Aufmerksamkeit erlangt in Chile. Wo gibt es Potentiale der Kreislaufwirtschaft im Rohstoffsektor?

Kreislaufwirtschaft hat das Ziel, Ressourcen möglichst lange in wirtschaftlichen Kreisläufen zu halten und dadurch Wert zu generieren und Abfallströme zu vermeiden. Es sollte aber auch nicht nur der Circular Economy (CE) Ansatz autark betrachtet werden, sondern immer eine Betrachtung der Energieeffizienz und der Umweltauswirkungen mit berücksichtigt werden.

Was sind spezifische Ansatzpunkte für Strategien der Kreislaufwirtschaft im Rohstoffsektor?

Man muss hier generell zwei Lebenszyklus (LZ) Phasen unterscheiden (welche natürlich am Punkt End of Life (EoL) wieder zusammenkommen). Und es muss die Rohstofffirma entscheiden auf was im ersten Schritt geachtet wird. Das Ziel sollte natürlich sein beide LZ Phasen in der Strategie zu integrieren:

  1. (CE) von der Miene zum Metall:
    Hier geht es darum „Nebenprodukte“, die bei vielen Prozessen als „Abfall“ deklariert werden, diese zu behandeln und die Wertstoffe aus diesem „Abfall(produkt)strom“ herauszuholen was natürlich wirtschaftlichen Aspekten genügen muss. Wenn ein metallurgisches Werk kein integriertes Werk ist, dann können metallurgischen Werke mit unterschiedlichen Fokus in der Ausbringung der Wertstoffe zusammenarbeiten (wie es heute teilweise zum Bsp. in Deutschland und Europa gemacht wird). Integrierte Werke wie in Hamburg die Aurubis AG eines ist, leiten produktionsbedingt Abfälle an Subunternehmer zur Verwertung weiter, um wirklich Ressourcen-Effizient zu sein
  2. CE vom Metall über das Produktdesign, zum Vertrieb, zum Consumer und dann das End of Life (EoL). Danach sollte es dann wieder in den metallurgischen Prozess eingespeist werden, nach einem Sammel- und Separationsschritt.

Im Produkt spielen viele Aspekte mit wie zum Beispiel, dass das Design der Produkte „recyclingfreundlich“ ist. Heute gibt es viele Produkte, die nicht einfach zu recylcieren sind oder eben große Verluste der beinhalteten Materialien mit sich bringen, solange die passende metallurgische Infrastruktur nicht vorhanden ist.

Wie kann Life Cycle Assessment die Prinzipien der Circular Economy im Rohstoffsektor unterstützen?

Circular Economy ist mehr ein Prinzip, während LCA eine daten- und faktenbasierte, nachvollziehbare Methode zur Berechnung der Umweltwirkungen ist. Daher sind CE und LCA sich ergänzende Herangehensweisen. So wie auch in wirtschaftlichen Betrachtungen bedeutet mehr Kreislauf nicht notwendigerweise auch bessere Umweltbilanz, speziell wenn der Grad der Zirkularität sehr hoch wird.
Um ein wirtschaftliches Konzept der CE im Rohstoffsektor aufzustellen, ist es notwendig, reelle Prozesse über den LZ und für bestimmte Produktanwendungen (die Produkte mit dem größten Anteil an dem betrachteten Rohstoff basierend auf Material Fluss Analysen) technisch, realistisch, mit rigorosen Daten zu simulieren. Hierfür gibt es schon einige Anstrengungen und Veröffentlichungen wie zum Beispiel eine, die ich zusammen mit Prof. Dr. Markus Reuter vom Helmholtz Institute in Freiberg gemacht habe und die die Möglichkeiten der Kombination von technisch möglicher CE Simulation (inkl. der Energieeffizienzberücksichtigung) und Life Cycle Assessment beschreiben und die Vorteile darstellt. Hierzu haben wir im Rahmen der Nutzbarkeit zwei Tools HSC (von Outotec https://www.outotec.com/products/digital-solutions/hsc-chemistry/) für die technische Simulation mit der GaBi (von thinkstep https://www.thinkstep.com/software/gabi-software) kombiniert, um beim Design der Anlage, des LZ immer gleich die Umweltauswirkungen für dieses betrachtete CE Konzept zu erhalten. Das ist eine gute Basis um festzustellen, ob CE auch umweltlich betrachtet Sinn macht.

Welche Strategien sollten das Life Cycle Assessment ergänzen um eine sinnvolle Nachhaltigkeitsstrategie zu erlangen?

Nachhaltigkeitsstrategien sollten nicht nur Unternehmensnachhaltigkeit als solches, sondern auch Produkt Stewardship Ansätze unterstützen, nämlich die gesamte Wertschöpfungskette upstream zur Miene und Downstream bis zum EoL. Um eben fundierte Entscheidungen zu treffen sollte LCA genutzt werden. Diese Ergebnisse werden heute auch im Marketing und im Verkauf genutzt, so dass jeder Stakeholder weiß, was die Firma tut und das Konzept auf Fakten basiert. LCA gibt einen Einblick ob die betrachtete Zirkularität von der Umweltseite her Sinn macht und man nicht nur alleine auf die Zirkularität OHNE Energie Effizienz und Umweltauswirkungen der geplanten CE zu schauen.